Spritze hilft gegen die Blindheit

Zwei Augenmediziner der Kölner Universität haben für eine Weltneuheit gesorgt. Sie können mit ihrer Entdeckung – „Spritze statt Laser“ – vor allem Diabetiker vor Blindheit bewahren.

Seit zwei Jahren kann sie so gut wie nichts sehen. Die 42-jährige Bankangestellte, die zu den sechs Millionen zuckerkranken Menschen in Deutschland gehört, ist verzweifelt:

„Meinen Job musste ich schon aufgeben.“ Ängste um ihre Existenz plagen die junge Frau, die seit zehn Jahren weiß, dass sie unter Diabetes leidet. Die Zuckerkrankheit hat bei ihr zu einer der schwersten Komplikationen geführt – Blindheit.

Wie es dazu kommt, erklärt Professor Bernd Kirchhof, Direktor der Abteilung für Netzhaut- und Glaskörper-Chirurgie der Uni-Kliniken: „Generell leiden Zuckerkranke im Spätstadium unter Gefäßverschlüssen der Netzhaut des Auges. Dadurch bilden sich neue Blutgefäße – jedoch mit schwachen Gefäßwänden, die leicht platzen. Die Folge: Das Blut schießt ins Augeninnere.“

Eine dramatische Situation. Kirchhof: „ Das Sehvermögen der Patienten erlischt. Bisher haben wir diese Betroffenen mit der üblichen Methode therapiert: Das Blut wird entfernt, und die Netzhaut wird zum Schutz vor neuen Blutungen großflächig gelasert.“ Das Problem sei jedoch, dass dabei große Teile der Netzhaut geopfert würden. Und das wiederum führe dazu, dass die Patienten sehr blendungsempfindlich werden, in der Dämmerung schlecht sehen und noch dazu ein eingeschränktes Gesichtsfeld in Kauf nehmen müssen.

Jetzt naht Hoffnung. Dafür haben die Augenspezialisten Bernd Kirchhof und Privat-Dozentin Dr. Antonia Jussen (Uni-Augenklinik) gesorgt mit ihrer einzigartigen Entdeckung, die die Laserbehandlung überflüssig macht. Kirchhof: „Anfang nächsten Jahres werden wir statt zu lasern nur spritzen. „Bei dieser Injektion in das Auge – sie erfolgt unter örtlicher Betäubung – wird ein Medikament verabreicht. Dieses verhindert, dass die weißen Blutkörperchen, die beim Diabetiker krankhaft klebrig sind, die Gefäße verstopfen und zum Verlust der Sehkraft führen.

Diese Injektion stoppt auch die krankhafte Wasseransammlung (Ödem) in der Netzhaut – nicht nur bei Diabetikern, sondern ebenso bei einer zentralen Netzhautdegeneration, die überwiegend im Alter auftreten kann. Für Patienten, die zuvor nur noch etwa zehn Prozent sehen, aber kein Gesichter mehr erkennen und nicht mehr lesen konnten, soll mit der neuen Behandlung wieder ein neues Leben mit klarerem Blick beginnen.

Kirchhof: „Wir wissen jetzt, wie wir Tausenden von Menschen das Augenlicht wiedergeben beziehungsweise es erhalten können.“

Für diese erfolgreiche Forschungsarbeit wurde ein neues Labor im Cell- Center Cologne an der Uni eingerichtet. Hier informieren sich zurzeit Wissenschaftler unter anderem aus Vietnam, Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten, um die in Köln kreierte  Therapie auch in ihrem Land einführen zu können.

Unterstützt wird diese international als medizinisch sensationell anerkannte Arbeit von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, vom Zentrum für Molekulare Medizin der Uni für die Netzhaut- und Glaskörper-Chirurgie, der von dem vor drei Jahren verstorbenen  Augen-Experten, Professor Klaus Heimann, und der Fabrikantin Renate Angermann gegründet wurde.

Über eine Serie von Benefizveranstaltungen soll das „Augen-Projekt“ finanziell unterstützt und weiter verbessert werden.